Sturmholz richtig und sicher aufarbeiten
Geworfene und gebrochene Bäume stehen unter enormer Spannung. Worauf es bei der Aufarbeitung von Sturmholz ankommt – sicher, zügig und ohne den Bestand weiter zu gefährden.
Nach einem Sturm zählt nicht Schnelligkeit um jeden Preis, sondern eine Reihenfolge: erst die Lage einschätzen, dann gespannte Stämme von der richtigen Seite lösen, zuletzt aufarbeiten und rücken. Wer das umdreht, riskiert genau die Unfälle, die Sturmholz so gefährlich machen. Dieser Beitrag fasst zusammen, worauf es ankommt – und wann Sie besser nicht selbst Hand anlegen.
Warum Sturmholz so gefährlich ist
Geworfene und gebrochene Bäume stehen unter Spannung. Ein Wurzelteller, der senkrecht steht, kann beim Durchtrennen des Stamms zurückschnellen. Ein Baum, der schräg auf einem anderen aufliegt („Hänger”), kann sich beim ersten Schnitt unkontrolliert drehen oder abrutschen. Dazu kommen Stämme, die unter anderen begraben liegen und beim Lösen plötzlich freikommen.
Die forstlichen Unfallversicherer und die zuständigen Berufsgenossenschaften zählen die Aufarbeitung von Sturmholz seit Jahren zu den gefährlichsten Tätigkeiten im Wald. Ein großer Teil der schweren und tödlichen Unfälle bei der Waldarbeit entfällt auf genau diese Situationen. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, mit System statt mit Eile vorzugehen.
Erst beurteilen, dann sägen
Bevor die Säge läuft, gilt: einen Überblick verschaffen. In welche Richtung wirkt die Spannung? Wo liegt der Druck, wo der Zug? Ein einfacher Grundsatz hilft: Auf der Druckseite reißt das Holz, auf der Zugseite klemmt die Säge. Wer das vorher einschätzt, weiß, von welcher Seite er den Stamm anschneidet und wohin er sich beim Lösen der Spannung bewegt – nämlich weg von der Bewegungsrichtung.
Wichtig ist auch der Rückzugsweg. Jeder gespannte Stamm braucht einen freien Bereich, in den man ausweichen kann. Astwerk, das im Weg liegt, wird vorher beiseitegeräumt, nicht im Eifer übersprungen.
Die richtige Technik bei Spannung
Gespanntes Holz wird nicht in einem Zug durchtrennt. Bewährt hat sich, zuerst auf der Druckseite einzuschneiden und sich dann kontrolliert zur Zugseite vorzuarbeiten, damit der Stamm sauber aufgeht, statt zu splittern oder die Säge einzuklemmen. Bei starker Spannung übernimmt das eine Maschine: Ein Fällgreifer oder Zwicker hält den Stamm fest, während er getrennt wird – so kann nichts unkontrolliert zurückschlagen.
Genau dafür ist Maschineneinsatz bei Sturmholz oft die sicherere Wahl. Wo es geht, bleibt der Mensch außerhalb der Gefahrenzone, und die Maschine nimmt die Kräfte auf.
Wurzelteller und Hänger
Aufgestellte Wurzelteller sind eine eigene Gefahr. Wird der Stamm in der Nähe des Tellers durchtrennt, fällt dieser oft mit großer Wucht zurück in die Grube. Hier hilft Abstand, eine durchdachte Schnittfolge und im Zweifel die Maschine.
Hänger – Bäume, die sich beim Wurf gegenseitig abstützen – werden nicht „freigeschnitten” in der Hoffnung, dass sie schon fallen. Sie werden mit der Seilwinde kontrolliert zu Boden gezogen. Eine Funkseilwinde mit ausreichend Zugkraft und Reichweite holt den Stamm, ohne dass jemand im Gefahrenbereich stehen muss.
Zügig, aber nicht überstürzt
Schadholz sollte zeitnah aus dem Bestand, vor allem bei Nadelholz: Liegendes, frisches Fichtenholz ist ein idealer Brutraum für den Borkenkäfer. Wer das Holz über die warme Jahreszeit liegen lässt, riskiert, dass sich ein Befall auf gesunde Nachbarbäume ausweitet. „Zügig” heißt aber nicht „ohne Plan” – die Sicherheit geht der Geschwindigkeit immer vor.
Wann Sie uns rufen sollten
Einzelne, unkritisch liegende Stämme kann ein geübter Waldbesitzer aufarbeiten. Sobald aber Spannung, aufgestellte Wurzelteller, Hänger oder größere Flächen im Spiel sind, ist das ein Fall für den Fachbetrieb. Wir schätzen die Lage vor Ort ein, lösen gespannte Stämme mit Zwicker und Seilwinde von der sicheren Seite und rücken das Holz bodenschonend an den Weg – auch einzelne Stämme. Rufen Sie an, bevor Sie selbst in eine Situation geraten, die sich nicht mehr kontrollieren lässt.